Frohe Feiertage ohne Smartphone: Eine digitale Auszeit für ein authentisches Weihnachten.

Autor*in:  | 23. Dezember 2023

Erbe, B. (2022)

Leitartikel: Weihnachten ohne Handy?

Wenn draußen die Schneeflocken sanft vom Himmel fallen und festliche Lichter die Straßen erhellen, scheinen wir dennoch mehr Zeit damit zu verbringen, auf unsere Bildschirme zu starren, als die festlichste Zeit des Jahres zu genießen. Die Weihnachtszeit, die einst als Inbegriff von Gemeinschaft und Besinnlichkeit galt, wird zunehmend von der unaufhörlichen Nutzung unserer Smartphones überschattet.

Die Autorin schlägt daher eine Woche „Medienfasten“ über die Weihnachtstage vor. Was zu Beginn wie eine utopische Idee klingen mag, ist aber vielleicht genau das, was wir brauchen. Es könnte nicht nur eine willkommene Pause von der virtuellen Welt bieten, sondern auch die Möglichkeit schaffen, die eigenen Gewohnheiten der Handynutzung genauer zu hinterfragen.

Warum zwar „Computerspielsucht“, nicht jedoch die „Smartphone“- oder die „Internetsucht“ derzeit laut aktuellen Klassifikationssystemen als offizielle Diagnose gelten, ist laut Prof. Dr. Christian Montag sehr verwunderlich – vor allem im Hinblick auf die Tatsache, dass Suchtverhalten im Bereich der Internet- oder Smartphone-Nutzung seit vielen Jahren deutlich besser untersucht und verstanden ist.

Hadar und Kollegen (2017) konnten beispielsweise nachweisen, dass eine verstärkte Nutzung von Handys einhergeht mit schlechterer Leistung bei der Lösung von arithmetischen Aufgaben, sowie mit einer Vielzahl von emotionalen Defiziten.
Kushlev und Kollegen (2016) beobachteten eine Zunahme von Symptomen des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS).
Auch Zusammenhänge zwischen Smartphone-Nutzung und Produktivität sind empirisch gut belegt. So beschreibt der Professor für Molekulare Psychologie Dr. Chirstian Montag (2017) eine umgekehrte U-Funktion: werden Geräte effizient genutzt, führen diese zu einer erhöhten Produktivität. Ab einem bestimmten „Scheitelpunkt“ kommt es jedoch zu unproduktiverem Verhalten.
Wie genau diese Unproduktivität zustande kommt, zeigten Ward und Kollegen (2017). Sie führten eine Studie durch, bei welcher sie die 520 Versuchsteilnehmenden in drei Gruppen aufteilten:

  1. Smartphone außerhalb des Testraums
  2. Smartphone in der (Hosen-)Tasche
  3. Smartphone auf dem Versuchstisch

Die Aufgabe bestand in der Lösung von einer Intelligenz- und einer Arbeitsgedächtnisaufgabe. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmenden aus der dritten Gruppe durchschnittlich deutlich schlechter abschnitten – die bloße Anwesenheit des Handys genügte also bereits, was durch Unterbrechungen der Konzentration erklärt werden kann.

Doch nicht nur Leistung und Produktivität leiden unter der zunehmenden Technologisierung. Auch die Zufriedenheit scheint zu sinken. Der dänische Glücksforscher Morten Tromholt (2016) fand heraus, dass soziale Netzwerke zu Neid und Unzufriedenheit führen.
Je mehr Zeit die 1095 Versuchsteilnehmenden auf sozialen Plattformen verbrachten, desto mehr verglichen sie sich selbst und ihre Lebensumstände mit denen anderer Personen. Sie gingen zunehmend davon aus, dass andere Menschen glücklicher waren und ein besseres Leben führten als sie. Ursächlich hierfür ist die Beschönigung der Realität durch Nutzer, meistens durch sogenannte „Influencer“.
Eine Studie aus dem Jahr 2019 14 Männer und 10 Frauen im Alter zwischen 22 und 52 Jahren aus 7 Ländern. Die Teilnehmenden sollten die sich für mindestens 24 Stunden von allen digitalen Geräten trennen. Eine anschließende Befragung ergab, dass der „Entzug“ zu einer ausgeglicheneren Stimmung und mehr Kontaktfreudigkeit führte. Die vorgegebene Zeit wurde jedoch nicht von allen durchgehalten. Personen, die den eintägigen Verzicht durchzogen, hatten anschließend ein stärkeres Bewusstsein für den Umgang mit sozialen Medien und reduzierten ihre Onlinezeiten.

Im Alltag können derartige Effekte beispielsweise erzielt werden, indem bei Bus- und Bahnfahrten das Smartphone ab und an beiseitegelegt wird. Es gibt zahlreiche Studien, welche belegen konnten, dass „das einfache Gedankenschweifen (Mind – Wandering)“ zu kreativen Momenten, guten Ideen oder auch Lösungen für Probleme führen kann.

In diesen stillen Momenten des Gedankenschweifens, abseits von digitalen Ablenkungen, finden wir oft den Raum für Inspiration und Ruhe. Genau in diesem Geist des Innehaltens und freien Denkens können wir die Besinnlichkeit der Weihnachtsfeiertage wirklich genießen.
Möge diese Zeit uns nicht nur zu neuen Erkenntnissen, sondern auch zu einem tieferen Verständnis für die wahren Werte von Weihnachten führen. Frohe Feiertage!

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