Wie Berührung den Körper bei Stress beruhigen kann

Autor*in:  | 24. September 2026

Dreisoerner, A. et al. (2021)

Eine Hand aufs Herz: Wie Berührung den Körper bei Stress beruhigen kann

Manchmal geschieht es ganz automatisch: In einem schwierigen Moment legen wir eine Hand auf die Brust, verschränken die Arme vor dem Körper oder wünschen uns eine Umarmung. Eine Studie untersuchte, ob solche Berührungen tatsächlich beeinflussen, wie unser Körper auf Stress reagiert.

Daran nahmen 159 gesunde junge Erwachsene teil. Sie mussten eine belastende Situation bewältigen: Zunächst sollten sie sich in einem Vorstellungsgespräch präsentieren, anschließend folgte eine schwierige Kopfrechenaufgabe vor einem zurückhaltend reagierenden Bewertungsteam.

Kurz davor erhielt ein Teil der Teilnehmenden eine 20-sekündige Umarmung. Eine zweite Gruppe führte für dieselbe Dauer eine selbstberuhigende Berührung aus, beispielsweise eine Hand auf der Brust und eine auf dem Bauch. Die Kontrollgruppe faltete einen Papierflieger. Während des Versuchs wurden unter anderem das Stresshormon Cortisol, die Herzfrequenz und das persönliche Stresserleben erfasst.

Berührung beruhigte die körperliche Stressreaktion

Nach der belastenden Aufgabe waren die Cortisolwerte sowohl nach der Umarmung als auch nach der selbstberuhigenden Berührung niedriger als in der Kontrollgruppe. Bei den Teilnehmenden, die sich selbst berührt hatten, kehrten die Cortisolwerte außerdem schneller in Richtung ihres Ausgangsniveaus zurück.

Besonders interessant ist, dass dafür keine Berührung durch einen anderen Menschen notwendig war. Bereits eine kurze, bewusst ausgeführte Selbstberührung zeigte einen messbaren Effekt auf die körperliche Stressreaktion.

Möglicherweise vermittelt angenehme Berührung dem Körper ein Gefühl von Wärme und Sicherheit. Die Forschenden vermuten, dass dabei beruhigende Prozesse des Nervensystems und eventuell auch Oxytocin eine Rolle spielen könnten. Diese Mechanismen wurden in der Studie allerdings nicht direkt untersucht.

Spürten sich die Teilnehmenden auch weniger gestresst?

Die Wirkung zeigte sich vor allem beim Cortisol. Bei der Herzfrequenz und beim selbst eingeschätzten Stress unterschieden sich die Gruppen nicht. Die Teilnehmenden fühlten sich nach der Berührung also nicht unbedingt bewusst ruhiger, obwohl ihr Körper weniger stark mit Cortisol reagierte.

Hat Berührung somit wirklich einen Effekt?

Ja, die Studie zeigt einen kurzfristigen körperlichen Effekt: Sowohl eine Umarmung als auch eine selbstberuhigende Berührung schwächten die Cortisolreaktion auf eine bevorstehende Stresssituation ab. Selbstberührung könnte daher eine einfache Möglichkeit sein, dem eigenen Körper in belastenden Momenten ein Signal von Sicherheit zu geben.

Untersucht wurden jedoch überwiegend junge, gesunde Studierende in einer künstlich erzeugten Laborsituation. Ob die Wirkung im Alltag, bei länger anhaltendem Stress oder bei psychischen Erkrankungen ähnlich ausfällt, muss noch erforscht werden. Eine Umarmung sollte außerdem immer erwünscht sein und sich für alle Beteiligten sicher anfühlen.

Wenn gerade niemand da ist, der uns in den Arm nehmen kann, ist eine Hand auf dem Herzen vielleicht mehr als nur eine kleine Geste: Sie kann dem Körper dabei helfen, einen schwierigen Moment etwas sanfter zu bewältigen.

You must be logged in to post a comment.

Zum Kalender