Mit Hypnose besser durch stressige Zeiten?

Autor*in:  | 28. September 2026

Fisch, S. et al. (2020)

Mit Hypnose besser durch stressige Zeiten?

Stress lässt sich nicht immer aus dem Alltag entfernen. Umso wichtiger ist die Frage, wie wir lernen können, besser mit ihm umzugehen. Eine deutsche Studie untersuchte deshalb, ob ein mehrwöchiges hypnotherapeutisches Gruppenprogramm Menschen dabei helfen kann, anhaltenden Stress zu reduzieren.

An der Untersuchung nahmen 95 Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren teil. Im Durchschnitt waren sie etwa 46 Jahre alt. Sie fühlten sich seit mindestens drei Monaten deutlich gestresst, befanden sich aber in einem stabilen Gesundheitszustand und wiesen keine akute oder chronische psychische Erkrankung auf. Die Teilnehmenden wurden zufällig einer Hypnose- oder einer Kontrollgruppe zugeteilt.

Beide Gruppen erhielten eine ausführliche Broschüre über Stress und verschiedene Bewältigungsmöglichkeiten. Die Hypnosegruppe nahm zusätzlich an fünf wöchentlichen Gruppensitzungen von jeweils zwei Stunden teil. Geleitet wurden diese von qualifizierten Hypnotherapeut:innen. Das Programm umfasste Informationen über Stress, therapeutische Gespräche und Hypnoseübungen zur Entspannung und zur Aktivierung persönlicher Ressourcen. Mithilfe von Audioaufnahmen konnten die Teilnehmenden die Selbsthypnose zu Hause weiterüben.

Nach fünf Wochen berichtete die Hypnosegruppe über deutlich weniger Stress als die Kontrollgruppe. Auf einer Skala von 0 bis 100 lag ihr wahrgenommenes Stressniveau im Durchschnitt rund 21 Punkte niedriger. Auch sieben Wochen nach dem Ende der Gruppensitzungen zeigte sich weiterhin ein Unterschied zugunsten der Hypnosegruppe. Darüber hinaus berichteten die Teilnehmenden dieser Gruppe über mehr Selbstwirksamkeit und eine bessere psychische Lebensqualität. Auch ihre Werte in einem Fragebogen zu depressiven Beschwerden waren niedriger. Bei der körperlichen Lebensqualität zeigte sich hingegen kein vergleichbarer Unterschied. Mit dem Programm in Verbindung stehende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass das untersuchte Gruppenprogramm Menschen mit anhaltendem Stress unterstützen kann. Dabei ist jedoch wichtig: Untersucht wurde nicht die Wirkung einer einzelnen Hypnoseübung oder von Hypnose allein. Das Programm bestand aus mehreren Bestandteilen – darunter therapeutische Begleitung, Gruppenaustausch, Informationen über Stress und regelmäßige Selbsthypnose zu Hause.

Die Kontrollgruppe erhielt außerdem keine vergleichbare persönliche Betreuung. Deshalb lässt sich nicht eindeutig feststellen, welchen Anteil die Hypnose selbst an den Verbesserungen hatte. Auch die Aufmerksamkeit durch die Therapeut:innen, der Austausch in der Gruppe und die Erwartung einer Wirkung könnten eine Rolle gespielt haben. Zudem konnten die Teilnehmenden nicht verblindet werden und die Ergebnisse beruhten überwiegend auf Selbstauskünften. Rund 85 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen, und ein großer Teil hatte ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau. Ob sich die Ergebnisse auf andere Personengruppen übertragen lassen, bleibt daher offen.

Trotz dieser Einschränkungen liefert die Studie einen vielversprechenden Hinweis: Ein strukturiertes hypnotherapeutisches Gruppenprogramm kann eine Möglichkeit sein, anhaltenden Stress zu verringern und den Umgang mit belastenden Situationen zu stärken. Hypnose ist dabei kein magischer Schalter, sondern Teil eines Programms, das Zeit, Anleitung und regelmäßiges Üben erfordert.

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