Krafttraining für die Seele

Gordon, B. R. et al. (2017)
Starke Muskeln, ruhiger Kopf? Kann Krafttraining unserer Seele guttun?
Krafttraining wird oft vor allem mit Muskelaufbau und körperlicher Fitness verbunden. Die Meta-Analyse zeigt jedoch, dass es auch für die psychische Gesundheit wichtig sein kann, vor allem im Zusammenhang mit Angst. Die Autorinnen und Autoren untersuchten mehrere randomisierte Studien und wollten herausfinden, ob regelmäßiges Kraft- oder Widerstandstraining Angstsymptome verringern kann.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Krafttraining Angstsymptome positiv beeinflussen kann. Menschen, die trainierten, zeigten im Durchschnitt weniger Angst als Personen in den Kontrollgruppen. Dieser Effekt zeigte sich sowohl bei gesunden Teilnehmenden als auch bei Menschen mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen. Bei gesunden Personen war der Nutzen etwas stärker, aber auch für die anderen Gruppen war ein positiver Effekt erkennbar.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der Erfolg des Trainings nicht stark davon abhing, wie genau das Programm aufgebaut war. Weder Alter noch Geschlecht spielten eine entscheidende Rolle. Auch die Dauer des Programms, die Häufigkeit der Einheiten, die Länge einzelner Trainingseinheiten oder die Intensität des Trainings veränderten den positiven Effekt nicht wesentlich. Das spricht dafür, dass Krafttraining eine flexible Maßnahme ist, die sich an verschiedene Menschen und Alltagssituationen anpassen lässt.
In einigen Studien wurde Krafttraining direkt mit Ausdauertraining verglichen. Dabei zeigte sich, dass beide Trainingsformen in Bezug auf Angst ähnliche Vorteile haben können. Das bedeutet: Nicht nur Laufen, Radfahren oder andere Ausdauersportarten können der Psyche guttun, sondern auch gezieltes Training gegen Widerstände.
Für den Alltag ist das eine wichtige Botschaft. Krafttraining muss nicht kompliziert sein oder im Fitnessstudio stattfinden. Auch einfache Übungen mit dem eigenen Körpergewicht können eine sinnvolle Möglichkeit sein, körperlich aktiv zu werden und gleichzeitig die mentale Gesundheit zu unterstützen. Gerade für Menschen, die unter Anspannung, innerer Unruhe oder Angst leiden, kann das ein alltagstauglicher und niedrigschwelliger Ansatz sein.
Insgesamt zeigt die Studienlage, dass Krafttraining eine sinnvolle Ergänzung sein kann, um Angstsymptome zu lindern. Es ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, kann diese aber unterstützen. Die Ergebnisse der Meta-Analyse sprechen dafür, dass regelmäßige Bewegung mit Widerstand nicht nur dem Körper, sondern auch dem seelischen Wohlbefinden guttut.

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