Wieso sich Liebe so intensiv anfühlen kann

Autor*in:  | 17. September 2026

Fisher, H. E., Aron, A. & Brown, L. L. (2005)

Wieso sich Liebe so intensiv anfühlen kann

Viele kennen dieses Gefühl: Du bist frisch verliebt und diese eine Person geht dir nicht mehr aus dem Kopf. Schon eine Nachricht kann den ganzen Tag verändern. Doch wieso fühlen sich gerade die ersten Phasen der Verliebtheit so intensiv an? Was passiert dabei im Gehirn?

Fisher, Aron und Brown untersuchten 17 junge Erwachsene – zehn Frauen und sieben Männer – im Alter zwischen 18 und 26 Jahren. Sie waren seit einem bis 17 Monaten verliebt, im Durchschnitt seit etwas mehr als sieben Monaten. Zuvor wurden sie zu ihrer Verliebtheit befragt und füllten einen Fragebogen zur leidenschaftlichen Liebe aus. Während der fMRT-Untersuchung sahen sie abwechselnd ein Foto der geliebten Person und das Bild einer emotional neutralen bekannten Person. Dazwischen lösten sie Rechenaufgaben.

Beim Anblick der geliebten Person zeigten sich vor allem Aktivierungen im rechten ventralen tegmentalen Areal und im rechten Nucleus caudatus. Diese dopaminreichen Hirnregionen sind Teil von Netzwerken, die mit Belohnung, Motivation, fokussierter Aufmerksamkeit und zielgerichtetem Verhalten verbunden sind. Eine fMRT-Untersuchung misst allerdings nicht direkt die Ausschüttung von Dopamin, sondern Veränderungen der Hirnaktivität.

Die Ergebnisse helfen zu verstehen, warum Verliebtheit sich so kraftvoll und schwer kontrollierbar anfühlen kann. Die geliebte Person erhält eine besondere motivationale Bedeutung: Aufmerksamkeit und emotionale Energie richten sich auf diesen Menschen, anderes tritt vorübergehend in den Hintergrund. Die Forschenden beschreiben romantische Liebe deshalb weniger als ein einzelnes Gefühl, sondern eher als ein Motivationssystem. Dieses kann Euphorie und Sehnsucht, aber auch Unsicherheit oder Angst vor Zurückweisung auslösen.

Bei Personen, die bereits acht bis 17 Monate verliebt waren, zeigten sich zusätzliche Aktivierungen in Regionen, die in früheren Untersuchungen mit längerfristiger Liebe und Bindung verbunden wurden. Dazu gehörte auch das ventrale Pallidum. Die Forschenden vermuten daher, dass neben intensiver Anziehung mit der Zeit Prozesse wichtiger werden, die eine stabilere Bindung unterstützen.

Wichtig ist jedoch: Die Untersuchung umfasste nur 17 junge Personen, die sich in einer frühen, besonders intensiven Phase der romantischen Liebe befanden. Aus den Hirnaktivierungen lässt sich nicht ableiten, dass einzelne Regionen allein für Liebe verantwortlich sind. Die Studie erklärt daher nicht die gesamte Geschichte von Liebe und Bindung. Sie gibt aber einen anschaulichen Einblick darin, warum frühe Verliebtheit unsere Aufmerksamkeit so stark bündeln und sich gleichzeitig euphorisch, antreibend und überwältigend anfühlen kann.

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