Selbstbestimmungstheorie als Wissenschaft motivierter Menschen

Autor*in:  | 19. Januar 2026

Ryan, R. M., Deci, E. L., Vansteenkiste, M. et al. (2021)

Fachartikel: Building a science of motivated persons: Self-determination theory’s empirical approach to human experience and the regulation of behavior.

Der Artikel stellt die Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory, SDT) als umfassendes wissenschaftliches Modell vor, das erklärt, wie menschliche Motivation entsteht, aufrechterhalten wird und sich auf Wohlbefinden und Verhalten auswirkt. Die Autorinnen fassen dabei den aktuellen Forschungsstand zusammen und zeigen, wie Motivation nicht nur davon abhängt, was Menschen tun, sondern warum sie es tun.

Zentral ist die Annahme, dass alle Menschen drei grundlegende psychologische Bedürfnisse haben: Autonomie (sich selbstbestimmt fühlen), Kompetenz (sich wirksam erleben) und soziale Zugehörigkeit (sich verbunden fühlen). Werden diese Bedürfnisse erfüllt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen aus innerer Überzeugung handeln, sich engagieren und langfristig psychisch gesund bleiben. Werden sie hingegen dauerhaft frustriert, kann das zu Stress, innerem Rückzug oder Erschöpfung führen.

Der Artikel unterscheidet außerdem verschiedene Formen von Motivation. Besonders hervorgehoben wird der Unterschied zwischen autonomer Motivation (etwas tun, weil man es sinnvoll oder stimmig findet) und kontrollierter Motivation (etwas tun aus Druck, Schuldgefühlen oder äußeren Erwartungen). Forschungsergebnisse zeigen konsistent, dass autonom motiviertes Verhalten mit mehr Wohlbefinden, besserer Leistung und höherer Ausdauer verbunden ist als kontrollierte Motivation.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von sozialen Kontexten, etwa in Arbeit, Schule oder Beziehungen. Unterstützende Umgebungen, die Wahlmöglichkeiten bieten, Feedback geben und echtes Interesse zeigen, fördern Bedürfnisbefriedigung und damit gesunde Motivation. Kontrollierende Umgebungen dagegen, etwa durch Druck, Überwachung oder Belohnungen als Hauptanreiz, können Motivation untergraben.

Insgesamt macht der Artikel deutlich, dass die Selbstbestimmungstheorie nicht nur ein abstraktes Motivationsmodell ist, sondern ein praxisnaher Ansatz, um menschliches Verhalten besser zu verstehen und Umgebungen so zu gestalten, dass Menschen sich engagiert, wirksam und verbunden fühlen.

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