Hilft weinen bei der Emotionsregulation?

Sharman, L. S. et al. (2020)
Fachartikel: Using Crying to Cope: Physiological Responses to Stress Following Tears of Sadness
Die Autor:innen des Artikels gingen der Frage nach, inwiefern Weinen ein hilfreiches Stress-Coping darstellt, also dabei helfen kann, physischen Stress zu reduzieren und den psychischen Umgang mit Belastungen zu verbessern. Dazu wurde bei den drei Gruppen an Teilnehmenden die Veränderung von physiologischen Markern wie Cortisol, Herzrate und Atemfrequenz gemessen, während die sie ihre Hand in eiskaltes Wasser tauchten. Die Gruppen unterteilten sich in jene Proband:innen, die (1) zuvor ein neutrales Video gesehen hatten, (2) bei einem traurigen Video geweint hatten oder (3) bei dem traurigem Video nicht geweint hatten.
Entgegen der Annahmen konnten jene Teilnehmende, die zuvor geweint hatten, weder die Stresssituation (kaltes Wasser) länger aushalten, noch wiesen sie ein verringertes Cortisollevel auf. Somit konnte die These nicht bestätigt werden, dass Weinen körpereigene Opioide freisetzt, die eine schmerzlindernde bzw. stressreduzierende Wirkung haben.
Was hat dieser Artikel nun mit positiver Psychologie zu tun? Die Ergebnisse lieferten zudem jedoch Hinweise darauf, dass Weinen die emotionale Erregung auf andere Weise regulieren kann: Denn lediglich bei jenen Teilnehmenden, die zuvor geweint hatten, blieb die Atmung über das Experiment hinweg stabil und ruhig.
Ebenfalls diskutiert wurde im Artikel die soziale Funktion des Weinens, die dafür verantwortlich sein könnte, dass sich Menschen nach Weinen dennoch besser fühlen. Weinen könnte demnach als soziales Signal fungieren, das zwischenmenschliche Unterstützung in anderen auslöst. In diesen Aspekten ist der Artikel also hoch anschlussfähig an Konzepte der positive Psychologie.

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