Nähe bis in den Schlaf: Wie Paare nachts aufeinander abgestimmt sind

Drews, H. J. et al. (2020)
Nähe bis in den Schlaf: Wie Paare nachts aufeinander abgestimmt sind
Wer neben einem vertrauten Menschen einschläft, fühlt sich oft besonders geborgen. Gleichzeitig können Bewegungen oder Geräusche des Partners den Schlaf stören. Schlafen Paare gemeinsam also besser – oder verändert die Nähe lediglich, wie sie schlafen?
Diese Frage untersuchten Drews et al. mit zwölf jungen, gesunden Paaren in einem Schlaflabor. Alle Paare waren daran gewöhnt, regelmäßig gemeinsam zu schlafen. Im Rahmen der Studie verbrachten sie mehrere Nächte im Labor: einmal nebeneinander und einmal getrennt in verschiedenen Räumen. Währenddessen wurden ihre Hirnaktivität, Schlafstadien und Bewegungen aufgezeichnet.
Beim gemeinsamen Schlafen verbrachten die Teilnehmenden einen größeren Anteil der Nacht im REM-Schlaf. Diese Schlafphase war außerdem seltener unterbrochen und bestand aus längeren ungestörten Abschnitten. Der REM-Schlaf wird unter anderem mit der Verarbeitung emotional bedeutsamer und episodischer Erinnerungen in Verbindung gebracht. Ob der stabilere REM-Schlaf tatsächlich positive Auswirkungen auf die Psyche hatte, wurde in der Studie jedoch nicht untersucht.
Auch die Schlafstadien der Partner waren stärker aufeinander abgestimmt. Wenn die Paare nebeneinander schliefen, befanden sie sich häufiger gleichzeitig oder in kurzem zeitlichem Abstand in ähnlichen Schlafstadien. Eine größere wahrgenommene Beziehungstiefe war ebenfalls mit einer stärkeren Synchronisation verbunden. Die Forschenden vermuten, dass die Nähe eines vertrauten Menschen möglicherweise Sicherheit vermittelt und dadurch den Schlaf beeinflusst. Diese Erklärung wurde allerdings nicht direkt geprüft.
Trotz dieser Veränderungen schliefen die Teilnehmenden gemeinsam insgesamt nicht länger, schneller oder effizienter. Am nächsten Morgen fühlten sie sich auch nicht erholter. Neben ihrem Partner bewegten sie sich zwar häufiger, wachten aber nicht signifikant öfter auf. Gemeinsames Schlafen war damit nicht eindeutig besser oder schlechter – der Schlaf verlief vor allem anders.
Da nur zwölf junge, gesunde und heterosexuelle Paare im Schlaflabor untersucht wurden, lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Paare oder das Schlafen im eigenen Zuhause übertragen.
Die Studie zeigt dennoch, wie weit zwischenmenschliche Nähe reichen kann: Sie endet offenbar nicht mit dem Einschlafen. Der REM-Schlaf wurde stabiler und die Schlafstadien der Partner passten sich stärker aneinander an. Zwei Menschen teilen nachts also nicht nur einen Schlafplatz – ihre Schlafrhythmen können sich dabei bis zu einem gewissen Grad aufeinander abstimmen.

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