Malen: eine kreative Auszeit

Autor*in:  | 13. August 2026

Kaimal, G. et al. (2017)

Malen für die Seele: Warum kreatives Gestalten mehr bewirken kann als Ausmalen

Vor einem leeren Blatt zu sitzen, kann zunächst ungewohnt sein. Doch genau darin liegt auch eine Chance: Farben auswählen, etwas Eigenes entstehen lassen und dabei ohne Bewertung kreativ sein. Eine Studie untersuchte, wie sich freies künstlerisches Gestalten und das Ausmalen vorgegebener Bilder auf Stress, Stimmung und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten auswirken.

Dafür nahmen 36 gesunde Erwachsene an zwei jeweils etwa 40-minütigen Einheiten teil. In einer Sitzung malten sie vorgegebene Motive aus. In der anderen durften sie in einem offenen Atelier frei gestalten und zwischen verschiedenen Materialien wie Stiften, Pastellkreiden, Ton und Collagematerial wählen. Eine Kunsttherapeutin oder ein Kunsttherapeut begleitete den Prozess, bot bei Bedarf Unterstützung an und gab Raum, über das entstandene Bild zu sprechen.

Was bewirkten Ausmalen und freies Gestalten?

Nach beiden Einheiten berichteten die Teilnehmenden von weniger Stress und weniger unangenehmen Gefühlen. Bereits das ruhige Ausmalen eines vorgegebenen Motivs scheint somit kurzfristig entlastend wirken zu können.

Das freie Gestalten im kunsttherapeutisch begleiteten Atelier zeigte jedoch zusätzliche Vorteile: Die positive Stimmung nahm stärker zu, und die Teilnehmenden fühlten sich anschließend eher in der Lage, Herausforderungen zu bewältigen. Auch das Vertrauen in die eigene Kreativität und die Fähigkeit, neue Lösungen zu finden, wurden gestärkt.

Möglicherweise spielte dabei die Freiheit eine Rolle, selbst über Materialien, Farben und Motive entscheiden zu können. Auch die unterstützende Begleitung könnte geholfen haben, anfängliche Unsicherheit zu überwinden und sich stärker auf den kreativen Prozess einzulassen. Welcher Bestandteil entscheidend war, untersuchte die Studie allerdings nicht getrennt.

Hat Malen also wirklich einen Effekt?

Ja, beide kreativen Tätigkeiten zeigten einen kurzfristigen Effekt: Ausmalen und freies Gestalten gingen mit weniger Stress und negativen Gefühlen einher. Das begleitete freie Gestalten wirkte darüber hinaus besonders günstig auf positive Stimmung, Selbstvertrauen und das Erleben der eigenen Kreativität.

Die Ergebnisse stammen jedoch aus einer kleinen, überwiegend weiblichen Gruppe und wurden direkt nach einer einzigen Sitzung erhoben. Ob die Veränderungen länger anhalten, lässt sich deshalb noch nicht sagen. Außerdem unterschied sich das offene Atelier nicht nur durch die kunsttherapeutische Begleitung, sondern auch durch die größere Auswahl und kreative Freiheit.

Die Studie zeigt dennoch: Man muss kein Kunstwerk erschaffen, damit kreatives Gestalten guttun kann. Manchmal reicht es, den Stift anzusetzen und neugierig zu schauen, was daraus entsteht.

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