Furcht vor Misserfolg: Warum man sich daran hindert, in den Flow zu kommen

Autor*in:  | 20. April 2026

Schüler, J. (2007)

Fachartikel: Arousal of Flow Experience in a Learning Setting and its Effects on Exam-Performance and Affect

Flow wird allgemein definiert als Zustand vollkommenen Verschmelzen mit einer Tätigkeit. Aufgrund der positiven Begleitumstände wie Konzentration, intrinsische Motivation, positivem Affekt und Wohlbefinden ist es nicht überraschend, dass Flow ein anstrebenswerter Zustand ist. Zusätzlich geht Flow auch mit einer höheren Leistung und einer Weiterentwicklung von Talenten einher.

Forschungen haben gezeigt, dass ein Gleichgewicht zwischen eigenen Fähigkeiten und Anforderungen einer Tätigkeit die nötige Grundvoraussetzung für einen Flow-Zustand ist. Herrscht eine sogenannte „Challenge-Skill-Dysbalance“, kann das entweder zu Überforderung führen (wenn die Anforderungen die Fähigkeiten übersteigen) oder sich Langeweile und Unterforderung einstellen (bei zu geringen Anforderungen in Relation zu den eigenen Fähigkeiten).

Jedoch scheint es, dass nicht alle Menschen die günstigen Voraussetzungen für Flowerleben schaffen, da sie nicht immer solche Aufgaben suchen, die genau ihrem Fähigkeitsniveau entsprechen: Eine zentrale Rolle dürfte spielen, welches Leistungsmotiv in einem Individuum ausgeprägt ist. Nach Atkinsons lässt sich das Leistungsmotiv die zwei Komponenten „Hoffnung auf Erfolg“ und „Furcht vor Misserfolg“ einteilen, je nachdem, wie Menschen einer Leistungssituation gegenüberstehen.

Da Menschen mit Furcht vor Misserfolg Leistungssituationen eher meiden, bevorzugen sie vor allem sehr leichte Aufgaben (mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit) oder besonders schwierige Aufgaben, bei denen sie den Misserfolg auf die Aufgabenschwierigkeit anstatt auf ihre mangelhaften Fähigkeiten attribuieren können. Dem gegenüber stehen Menschen mit hoher Hoffnung auf Erfolg, die gezielt Aufgaben aufsuchen, die sie richtigen Maße herausfordern. Sie stellen also eine Balance zwischen den Anforderungen und ihren Fähigkeiten her und ermöglichen sich dadurch, in den Flow zu kommen.

Was bedeutet das also konkret? Je mehr Angst vor Misserfolg besteht, desto weniger wahrscheinlich wird es, in den Flow-Zustand zu kommen. Daher gilt: Das Suchen von Tätigkeiten mit adäquatem Schwierigkeitsgrad bei gleichzeitiger Hoffnung auf Erfolg wird eher mit einem Flow-Zustand belohnt.

You must be logged in to post a comment.

Zum Kalender