Die Biologie der Geborgenheit: Warum „Präsenz“ in der Therapie heilt

Geller & Porges (2014)
Fachartikel: Therapeutic Presence: Neurophysiological Mechanisms Mediating Feeling Safe in Therapeutic Relationships
In der Psychotherapie ist die Qualität der Beziehung oft entscheidender als die angewandte Technik. Eine zentrale Arbeit von Shari Geller und Stephen Porges zeigt, dass „therapeutische Präsenz“, das vollkommene Im-Moment-Sein des Therapeuten, eine messbare neurobiologische Wirkung hat. Basierend auf der Polyvagal-Theorie erklären die Autoren, dass Heilung erst möglich ist, wenn das Nervensystem des Klienten unbewusst Sicherheit signalisiert bekommt. Dieser Prozess, die sogenannte Neurozeption, entscheidet darüber, ob wir im Verteidigungsmodus verharren oder uns für Veränderung öffnen.
Der Therapeut fungiert hierbei als biologischer Anker: Durch eine resonante Mimik, eine beruhigende Stimmlage und eine geerdete Körperhaltung sendet er kontinuierlich Sicherheitssignale aus, die das Nervensystem des Gegenübers „co-regulieren“. Diese präsenzbasierte Sicherheit ermöglicht es dem Klienten, Stressreaktionen abzubauen und in einen Zustand des sozialen Engagements zu wechseln. Letztlich belegt die Studie, dass therapeutische Präsenz das notwendige physiologische Fundament schafft, auf dem tiefgreifende emotionale Verarbeitung und die Heilung von Bindungsverletzungen erst stattfinden können.

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