Warum mehr Haben nicht glücklicher macht

Autor*in:  | 4. Dezember 2025

Dittmar et al. (2014)

Leitartikel: The relationship between materialism and personal well-being: A meta-analysis.

Die Meta-Analyse untersucht, wie stark materialistische Werte – also die Orientierung an Geld, Besitz und Status – mit dem persönlichen Wohlbefinden zusammenhängen. Dafür wurden 753 Effektstärken aus 259 unabhängigen Stichproben ausgewertet. Insgesamt zeigt sich ein konsistentes Bild: Je stärker Menschen materielle Ziele priorisieren, desto niedriger fallen ihre Werte bei verschiedensten Wohlbefindensindikatoren aus.

Materialismus wirkt vor allem dann besonders nachteilig, wenn er als umfassende Lebensorientierung verstanden wird – also wenn nicht nur finanzieller Erfolg wichtig ist, sondern auch Status und die Erwartung, dass Besitz zu mehr Glück führt. Hier zeigten sich deutlich negativere Effekte als bei reinen Geldfragen. Besonders stark sind die Zusammenhänge mit riskanten Konsum- und Gesundheitsverhalten sowie negativen Selbstbewertungen. Etwas geringere, aber weiterhin eindeutige Effekte zeigen sich bei Lebenszufriedenheit und emotionalem Wohlbefinden.

Die Autorinnen und Autoren diskutieren mehrere plausible Mechanismen: Materialismus kann Selbstzweifel und soziale Vergleichsprozesse verstärken, psychologische Grundbedürfnisse untergraben (Autonomie, Kompetenz, Verbundenheit) und Menschen in eine unbefriedigende „Konsumspirale“ führen, bei der man sich stetig mehr erhofft, aber selten zufrieden ist. Mediationsanalysen legen nahe, dass geringere Bedürfnisbefriedigung ein zentraler Erklärfaktor ist.

Spannend ist auch, dass der Effekt nicht für alle Gruppen gleich stark ausfällt. Geschlecht, Alter, kulturelle Werte und wirtschaftliche Rahmenbedingungen beeinflussen teilweise, wie stark Materialismus dem Wohlbefinden schadet. Doch: In keiner untersuchten Gruppe wird Materialismus jemals zu einem positiven Wohlbefindenstreiber.

You must be logged in to post a comment.

Zum Kalender